Bildungsminister Christoph Wiederkehr will die Pflichtschule stärker an den tatsächlichen Lernfortschritt koppeln statt an die bloße Dauer von neun Schuljahren. Der 36-jährige Neos-Politiker hält nichts davon, wenn ein Kind neun gesetzliche Schuljahre nur absitzt. Seine Idee einer „Mittleren Reife“ sieht vor, dass die Pflichtschulzeit erst endet, wenn Lesen, Schreiben und Rechnen ausreichend beherrscht werden.
Wiederkehr argumentiert damit gegen ein aus seiner Sicht altösterreichisches Prinzip: „Das war immer schon so und wird sich nie ändern.“ Der Bildungsminister setzt damit im Schulbereich auf Veränderungen, die über die bisherige Praxis hinausgehen. Gerade weil er mit 36 Jahren für einen Minister als jung gilt, wird ihm offenbar zugeschrieben, noch viel vor sich zu haben.
Die Umsetzung seiner Pläne ist allerdings offen. Wie die vorgeschlagene „Mittlere Reife“ konkret greifen soll, bleibt unklar. Auch wer das Modell mit welchem Geld und auf welche Weise umsetzen würde, ist nach den vorliegenden Angaben nicht beantwortet. Damit wird aus der politischen Idee ein schwieriges Vorhaben, bei dem die praktischen Hürden im Mittelpunkt stehen.
Wiederkehrs Vorstoß zielt auf einen Kernbereich des Bildungssystems. Die Frage ist nicht nur, ob die Abkehr vom reinen Absitzen von Schuljahren politisch durchsetzbar ist, sondern auch, ob sich daraus ein tatsächlich verlässlicherer Maßstab für grundlegende Kompetenzen machen lässt.














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