Johann Nestroys „Der Talisman“ hat am Samstagabend im ausverkauften Großen Haus des Tiroler Landestheaters in Innsbruck Premiere gefeiert. Die Inszenierung von Dominique Schnizer verband Biedermeier-Stoff mit einer deutlich gegenwärtigen Tonlage und kam als scharfes, unterhaltsames Gesellschaftsstück an.
Das 1840 uraufgeführte Stück zählt zu Nestroys meistgespielten Werken. Im Mittelpunkt steht Titus Feuerfuchs, ein vagierender Barbiergeselle mit roten Haaren, der wegen seines Äußeren ausgegrenzt und verachtet wird. Erst eine schwarze Perücke, der titelgebende Talisman, öffnet ihm Türen, die ihm zuvor verschlossen blieben. Nestroy zielte damit auf Vorurteile, soziale Maskenspiele und Anpassung an bestehende Machtverhältnisse.
In Innsbruck erhielt dieser Stoff eine moderne musikalische und textliche Ebene. Nenda Neururer und Bernhard Neumaier übersetzten die Couplets in einen Ton zwischen Austropop, Sprechgesang und politisch zugespitzter Satire. Auf der Bühne wurden dabei auch Elon Musk, Jeff Bezos, René Benko und Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann aufgegriffen.
Die Inszenierung nahm zudem soziale Ungleichheit, Klimawandel, Belästigungen und mediale Machtspiele in den Blick. Das hätte leicht platt wirken können, fügte sich nach dem Premierenabend aber meist stimmig in Nestroys Welt ein. So traf im Landestheater ein Klassiker des Biedermeier auf Hip-Hop-Anklänge und aktuelle Gesellschaftskritik.














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