Grundrechtskataloge, Bildung und Fortschritt machen die Menschheit nach Ansicht der Politikwissenschafterin Liya Yu nicht automatisch besser. In ihrem neuen Buch „Hirn statt Moral“ beschreibt die in den USA ausgebildete Tochter chinesischer Einwanderer das menschliche Gehirn als stark anfällig für Extremismus und Populismus.
Yu entwickelt dafür einen neuropolitischen Ansatz. Ihr Ziel ist ein „völlig neues, ideologiefreies Verständnis“ des Gehirns, um besser mit ihm umgehen zu können. Das Denkzentrum charakterisiert sie als „mysteriöses Organ“, das „zutiefst grausam sein, aber auch aufrichtige Empathie empfinden kann“.
In dieser Beschreibung verbindet Yu politische und biologische Perspektiven. Das Gehirn könne „Kriege führen und Frieden schließen“, heißt es in ihrem Buch. Es sei ein Fehler gewesen, „unsere Werte und ehrgeizigen Errungenschaften nicht an die Realität des Gehirns anzupassen“, schreibt sie demnach weiter.
Mit ihrer These stellt Yu die verbreitete Annahme infrage, dass sich gesellschaftlicher Fortschritt automatisch in humanerem Denken niederschlägt. Für sie liegt das Problem nicht nur in politischen Überzeugungen, sondern in den archaisch geprägten Strukturen des menschlichen Denkens selbst.














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