Sexualität wird nach Ansicht der Wiener klinischen Sexologin und psychologischen Beraterin Chiara Riolfi oft wie ein weiterer Punkt auf der To-do-Liste behandelt. In einer aktuellen Einordnung zu Stress, Körperbild und Leistungsdruck betont sie: Der Körper sei keine Maschine. Damit richtet sich der Blick auf die Frage, wie viel Lust „normal“ ist und wie eng Sexualität mit der psychischen Verfassung zusammenhängt.
Riolfi beschreibt damit ein Spannungsfeld, das viele Menschen aus dem Alltag kennen: Wie oft, wie lang, wie gut? Wer Schlaf, Karriere oder den eigenen Körper optimieren wolle, übertrage diesen Anspruch oft auch auf das Liebesleben. So werde Sexualität schnell von einem spontanen Bereich des Erlebens zu einer weiteren Aufgabe. Genau darin sieht die Expertin das grundlegende Missverständnis.
Im Zentrum steht dabei weniger ein einzelnes Problem als das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Stress, das eigene Körperbild und Leistungsdruck können das Erleben von Lust beeinflussen. Umgekehrt verrät das Sexleben nach dieser Perspektive auch etwas über die Psyche. Die Frage nach der Lust im Bett wird damit zu einer Frage nach mentaler Belastung, Selbstwahrnehmung und Erwartungshaltung.
Riolfi verweist in diesem Zusammenhang auf die Tendenz, sich selbst zu manipulieren. Gemeint ist, dass Menschen eigene Bedürfnisse, Unsicherheiten oder Grenzen nicht immer so wahrnehmen, wie sie tatsächlich sind, sondern sie an Erwartungen anpassen. Gerade dort, wo Sexualität als Leistung verstanden wird, kann das den Umgang mit dem eigenen Erleben zusätzlich erschweren.
Die psychologische Beraterin und klinische Sexologin aus Wien setzt damit einen Kontrapunkt zu idealisierten Vorstellungen von Sexualität. Ihre Botschaft ist klar: Lust folgt nicht einem mechanischen Muster. Sie ist an den Zustand des Körpers und an die mentale Situation gebunden. Wer Sexualität nur als Funktion oder messbare Leistung betrachtet, verfehlt aus ihrer Sicht ihren eigentlichen Charakter.













