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Koschorke liest den Liberalismus als widersprüchliches Projekt

Redaktionelle Szene zum Thema „Koschorke liest den Liberalismus als widersprüchliches Projekt“

Der deutsche Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke beschreibt im Buch „Souveränität der Vernunft“ den Liberalismus als eine politische Tradition, die seit ihren Anfängen von inneren Widersprüchen geprägt ist. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Frage, wie sich die heutigen Bedrohungen liberaler Werte verstehen lassen, wenn man ihre Wurzeln kennt.

Im Zentrum steht dabei nach einem zeitgenössischen Beispiel aus dem Vormärz der Dichter Ludwig Uhland. Der 1832 auch als Landtagsabgeordneter aktive Uhland erklärte seinen Stuttgarter Wählern das Verhältnis von Volk und Repräsentanten und betonte, der Abgeordnete müsse zwar die Volksstimmung aufnehmen, die letzte Entscheidung über wichtige Fragen aber im „gesammelten Geist“ reifen lassen.

Uhland, so Koschorkes Blick auf diese politische Sprache, verband Nähe zum Volk mit dem Anspruch auf eigenständiges Nachdenken der Gewählten. Er stand damit für eine Generation von Dichtern im Vormärz, die auch politisch aktiv waren und von der Hoffnung getragen wurden, die Menschheit sei unterwegs in eine Zukunft, die von Vernunft erhellt werde.

Der von Koschorke nachgezeichnete Befund setzt genau an diesem Zukunftsversprechen an. Der Liberalismus erscheint in dieser Lesart nicht als geschlossene Lehre, sondern als Denkform, die von Anfang an Spannungen zwischen Repräsentation, Vernunft und politischer Erwartung mit sich trug. Die heutige Krise liberaler Werte wird damit als Folge einer langen ideengeschichtlichen Entwicklung lesbar.

Dass Koschorke diese Widersprüche in „Souveränität der Vernunft“ herausarbeitet, rückt die ideengeschichtlichen Ursprünge des Liberalismus in den Vordergrund. Der Blick zurück auf Uhland und den Vormärz macht nach dieser Lesart deutlich, warum der Liberalismus Schwierigkeiten bekommt, wenn er nicht mehr von Zukunft sprechen kann.

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