TagesPlus.at

Aktuelle Nachrichten aus Österreich und der Welt

Robert Seethalers neuer Roman „Die Straße“ und das Problem der Sprache

Redaktionelle Szene zum Thema „Robert Seethalers neuer Roman „Die Straße“ und das Problem der Sprache“

Robert Seethalers neuer Roman „Die Straße“ stellt eine Reihe von Figuren in den Mittelpunkt, doch nicht alle überzeugen mit eigener Stimme. In der Besprechung des Buches wird vor allem kritisiert, dass das Personal oft gleich spricht und die Sprache zu sehr an Seethalers früheren Roman „Ein ganzes Leben“ erinnert.

Schon zu Beginn gibt es zwar eine komische Szene in einem Altersheim namens Abendschein. Zwei Bewohner erinnern sich an die Zeit nach dem Krieg, an zugeschüttete Trichter, gepflanzte Bäume und einen geretteten Hund in einem zerbombten Treppenhaus. Einer sagt: „Hab nie was Erbärmlicheres gehört als das Winseln unter dem Schutt.“ Der andere antwortet knapp und scharf, die Erinnerung stimme nicht: Es habe keine Bombentrichter gegeben, nur kleinere Einschläge, die Bäume hätten schon vor dem Krieg dort gestanden, und die Hundegeschichte sei im Fernsehen im Gemeinschaftsraum zu sehen gewesen.

Genau aus diesem Wechsel von Erzählung und Widerspruch bezieht die Szene ihren Witz. Sie zeigt, wie Seethaler Figuren reden lässt, die sich gegenseitig korrigieren und zugleich aneinander vorbeireden. Im weiteren Verlauf wird das jedoch zum Problem, weil die Stimmen im Roman offenbar zu wenig auseinanderzuhalten sind. Laut der Besprechung sprechen die vielen Helden des Buches letztlich dieselbe Sprache.

„Die Straße“ erscheint damit als Roman, der mit zahlreichen Figuren arbeitet, ihnen aber keine klar unterscheidbaren sprachlichen Profile gibt. Der Vorwurf richtet sich weniger gegen den Stoff als gegen die Art, wie er gestaltet ist. Der Ton erinnere zu stark an Seethalers früheren Erfolg „Ein ganzes Leben“.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert