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Verena Gotthardts Erzählband „Die jüngste Zeit“ lässt die Zeit stillstehen

Redaktionelle Szene zum Thema „Verena Gotthardts Erzählband „Die jüngste Zeit“ lässt die Zeit stillstehen“

Verena Gotthardts neuer Erzählband „Die jüngste Zeit“ beschäftigt sich mit Zeit, Erinnerung und Verortung. Beim Lesen entsteht der Eindruck, die Zeit bleibe stehen. Im Zentrum stehen Fragen danach, wie sich ein Moment festhalten lässt und welche Rolle Geschichten dabei spielen.

Der Text arbeitet mit ungewöhnlichen Bildern und konkreten Beobachtungen. So fragt er etwa nach dem Gewicht einer großen oder kleinen Wolke und verbindet solche Bilder mit Überlegungen zu Erinnerung und Wahrnehmung. Eine zentrale Aussage lautet: „Das Gewicht einer Wolke spürt man nicht.“

Wenig später heißt es weiter: „Sage nur, dass, wenn die Wolke dann herunterfällt, sie tropfenweise abfällt.“ Auch die Frage, ob man mit einem Trichter über dem Kopf Regenwasser sammeln und später wiegen könne, gehört zu dieser Sprachbewegung. Die Zahlen im Text bleiben dabei weniger wichtig als die Fragen, die daraus entstehen.

Gotthardts Band versucht damit, einen literarischen Stillstand zu erzeugen, ohne auf Bewegung ganz zu verzichten. Die Erzählungen kreisen um Erinnerung und um die Schwierigkeit, Zeit festzuhalten. Gerade darin liegt der Reiz des Buchs: Es macht aus alltäglichen Wahrnehmungen einen konzentrierten literarischen Raum.

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